Warum gute Pflege alleine nicht reicht

 

Viele meiner Kundinnen verwenden hochwertige Produkte. Sie achten auf Inhaltsstoffe, reinigen sanft, cremen regelmäßig und investieren in gute Behandlungen. Und trotzdem beruhigt sich die Haut nicht dauerhaft. Sie bleibt empfindlich, reagiert mit Rötungen, Unreinheiten, Trockenheit oder Spannungsgefühlen. Das ist kein Widerspruch sondern Biologie. Die Haut ist kein isoliertes Organ. Sie ist eingebunden in Hormonsystem, Nervensystem, Darm, Leber, Lymphe und Stoffwechsel. Pflege kann unterstützen aber sie kann kein inneres Ungleichgewicht überdecken.

 

Das Nervensystem, der unsichtbare Hautfaktor

Stress ist einer der stärksten Hautbeeinflusser überhaupt. Sobald der Körper unter Druck steht, schüttet er vermehrt Cortisol und Adrenalin aus. Diese Hormone haben direkte Auswirkungen auf das Hautgewebe. Cortisol schwächt langfristig die Hautbarriere. Die Haut verliert schneller Feuchtigkeit, wird durchlässiger für Reize und reagiert empfindlicher auf eigentlich harmlose Substanzen. Gleichzeitig kann Stress die Talgproduktion anregen was zu Unreinheiten oder entzündlichen Prozessen führt. Dauerstress reduziert außerdem die Mikrodurchblutung. Das bedeutet: weniger Sauerstoff, weniger Nährstoffe, langsamere Regeneration. In diesem Zustand kann selbst die beste Creme nur begrenzt wirken. Die Haut befindet sich im Überlebensmodus nicht im Regenerationsmodus. Erst wenn der Parasympathikus aktiviert wird, also der Teil des Nervensystems, der für Ruhe und Reparatur zuständig ist beginnt echte Heilung. Deshalb sind Berührung, Wärme, Atemtiefe und Entspannung keine Nebensache, sondern zentrale Faktoren für ein stabiles Hautbild.

 

Der Darm das unterschätzte Hautorgan

Zwischen Darm und Haut besteht eine enge Verbindung, die man als „Darm-Haut-Achse“ bezeichnet. Ein gesunder Darm sorgt für eine gute Nährstoffaufnahme, eine funktionierende Immunabwehr und eine stabile Entgiftung. Wenn die Darmflora aus dem Gleichgewicht gerät durch Stress, Medikamente, Zucker, Alkohol oder hochverarbeitete Nahrung entstehen vermehrt entzündungsfördernde Prozesse im Körper. Diese zeigen sich oft über die Haut. Unreinheiten, Rosacea-ähnliche Rötungen, periorale Dermatitis, Trockenheit oder diffuse Irritationen können mit einer gestörten Darmbarriere zusammenhängen. Ist die Darmschleimhaut durchlässig, gelangen Stoffwechselprodukte ins Blut, die eigentlich ausgeschieden werden sollten. Die Haut übernimmt dann einen Teil der Ausleitung. Das zeigt sich nicht selten als unerklärliches Hautproblem. Pflege kann beruhigen, aber wenn der Darm entzündet oder geschwächt ist, bleibt das Hautbild instabil.

 

Hormone die stillen Regisseure der Haut

Hormone steuern nahezu jeden Aspekt des Hautstoffwechsels, Talgproduktion, Feuchtigkeitsbindung, Kollagenbildung, Pigmentierung und Durchblutung.

Östrogen fördert Elastizität und Feuchtigkeit. Sinkt es etwa in den Wechseljahren wird die Haut dünner, trockener und empfindlicher. Progesteron beeinflusst Wassereinlagerungen und Hautspannung. Androgene steuern die Talgproduktion. Auch die Schilddrüse spielt eine Rolle. Eine Unterfunktion kann trockene, kühle, blasse Haut verursachen. Eine Überfunktion eher warme, feuchte Haut. Wenn Hormone schwanken, verändert sich das Hautbild oft schneller als man reagieren kann. Viele Frauen wechseln dann Produkte dabei liegt die Ursache im inneren System. Hier braucht es Verständnis für die Phase, in der sich der Körper befindet und eine begleitende Unterstützung, nicht nur neue Cremes.

 

Die Leber und Entgiftung

Die Leber ist eines der wichtigsten Entgiftungsorgane. Sie verarbeitet Hormone, Alkohol, Umweltstoffe, Medikamente und Stoffwechselreste. Ist sie überlastet, entstehen häufig Rötungen, Hitzegefühle, Reizbarkeit der Haut oder plötzlich auftretende Unreinheiten. Auch Juckreiz kann ein Hinweis sein. Die Haut ist das Notventil, wenn innere Entgiftungskapazitäten an ihre Grenze kommen. In solchen Phasen braucht es Entlastung über Ernährung, Flüssigkeit, Bitterstoffe, Schlaf, Entgiftung und Ausleitung.

 

Warum alles richtig machen trotzdem nicht reicht

Viele Menschen versuchen, Hautprobleme ausschließlich kosmetisch zu lösen. Sie kaufen neue Seren, probieren Wirkstoffe oder wechseln Linien Doch wenn Stress hoch bleibt, der Schlaf flach ist, der Darm gereizt oder Hormone instabil sind, bleibt die Haut im Ungleichgewicht. Das bedeutet nicht, dass Pflege unwichtig ist, im Gegenteil. Eine gute Pflege stabilisiert die Barriere, schützt vor Umweltbelastung, versorgt mit Feuchtigkeit und Antioxidantien. Sie ist eine wichtige Säule. Aber sie ist eben nur eine Säule.

 

Ganzheitliche Hautgesundheit

Echte Hautruhe entsteht, wenn mehrere Ebenen zusammenkommen

– ein reguliertes Nervensystem

– eine stabile Darmflora

– ausgeglichene Hormone

– eine funktionierende Entgiftung

– ausreichend Schlaf

– nährstoffreiche Ernährung

– liebevolle, regelmäßige Pflege

Wenn diese Faktoren ineinandergreifen, beginnt die Haut wieder eigenständig zu regulieren. Entzündungen gehen zurück. Die Struktur wird feiner und der Teint gleichmäßiger. Ich erlebe es immer wieder. Sobald innere Balance entsteht, verändert sich die Ausstrahlung.  Gute Pflege wirkt dann nicht mehr gegen Symptome. Sie unterstützt die Haut, die wieder im Gleichgewicht ist. Und genau dann wird sie wirklich wirksam.

Gabriele Baum

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